Auf der Suche nach Holunderbeeren für Saft

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Friederike hat die Tage angefragt, ob wir uns am Wochenende zum Holunderbeeren pflücken treffen, um daraus Holunderbeersaft zuzubereiten. Ich war ganz begeistert und nach kurzer Zeit war klar, dass wir am Samstag vormittag die Plätze im Münchner Süden abklappern würden, an denen wir bereits im Frühjahr Holunderblüten gesammelt haben.

Vorab kümmert sich Friederike um das Rezept, gibt an, was wir alles für unsren kleinen Ausflug benötigen: Alte Klamotten, denn Holunderbeeren sind stark färbend; Tüten für die gesammelten Früchte, eine Schere. Außerdem diverse Utensilien für die Zubereitung des Saftes: also einen großen Topf, ein altes Geschirrtuch, einen Kochlöffel, einen Suppenlöffel, ein Sieb und einen Trichter.

Natürlich braucht man diese Hilfsmittel nur dann, wenn man keinen Entsafter zur Verfügung hat.

 

Das Rezept für den Holunderbeersaft, das Friederike für uns ausgesucht hat, lautet folgendermaßen:

1 kg Früchte
500 ml Wasser
300 g Zucker
2 Zitronen
½ Vanilleschote bzw. Vanillepulver (wenn vorhanden)

Reine Kochdauer: 20 Min.

Selbstverständlich sollten sterilisierte Flaschen idealerweise mit Schnappverschluss in ausreichender Zahl nicht fehlen. Es bietet sich hier an, in den Wochen zuvor entweder Bier in Flaschen mit Schnappverschluss zu kaufen und am Abend das Bier gemeinsam mit dem Ehegatten und den Freunden in gemütlicher Atmosphäre zu trinken oder leere Flaschen zu kaufen. Auch auf dem Flohmarkt oder – was in München gerade sehr angesagt ist – auf Hofflohmärkten lässt sich so manch brauchbare Flasche für wenig Geld ergattern. Gut reinigen!

Am Samstagmorgen um elf Uhr kommt also Friederike bei mir an. Wir trinken noch eine Tasse Kaffee und machen uns auf zum Atelier, wo wir später den Saft zubereiten werden. Gleich beim Atelier steht ein schöner Holunderbaum, von dem wir ein paar Dolden ernten. Dann geht’s auf  zu den anderen Stellen, die wir noch vom Blütensammeln kennen. Etwas enttäuscht müssen wir feststellen, dass die Holunderbeeren nicht alle gleichmäßig reifen. Einige Dolden sehen sehr schön aus, andere sind noch völlig grün, wieder andere bereits vertrocknet. Ganz kompliziert wird es mit den Fruchtständen, bei denen grüne, rote und schwarze Früchte zu finden sind.

Nach einigen Stunden des Suchens und Erntens machen wir uns zurück Richtung Atelier. Ein Kaffee und ein selbst gemachter Zitronenkuchen stärken uns ein wenig.

Anschließend machen wir uns daran, die Früchte zu waschen und zu lesen. Gerade bei den Dolden, die Früchte mit unterschiedlichem Reifegrad tragen, dauert es am längsten, die guten ins Töpfchen und die schlechten zum Abfall zu werfen.

Ein guter Trick bei reifen Früchten ist allerdings, die Holunderbeeren mit der Gabel von den Dolden zu streifen. Das erspart das einzelne Abzupfen der Beeren.

Als nur noch die tief roten Beeren in einem großen Topf liegen, wiegen wir diese und stellen erfreut fest, dass wir doch 2,5 kg Holunderbeeren gesammelt haben.

Wir teilen die Früchte und kochen nach Friederikes Rezept unseren Saft für ca. 20 Minuten im Hof des Ateliers.

In der Zwischenzeit diskutieren wir mit Oliver und Uwe darüber, ob es ausreicht, die vorbereiteten Flaschen nur gut ausgespült zu haben. Wir kommen zu dem Ergebnis, dass es besser ist, die Flaschen noch mit Spiritus auszuschwenken und den Spiritus zu entflammen.

Gesagt, getan, Oliver übernimmt diese überaus gefährliche Aufgabe. Mit einem Puff entzündet sich in jeder Flasche der Alkohol und somit haben wir unser Bestes getan, die Flaschen zu säubern und für die Befüllung vorzubereiten. (Diese Experiment bitte nicht zuhause nachmachen!)

Als die 20 Minuten Kochzeit vorüber sind, kommt die Arbeit, die am meisten Dreck verursachen soll. Wir legen ein Sieb mit einem sauberen Geschirrtuch aus, legen dies auf einen tieferen Topf und füllen nacheinander die Holunderbeersaftmasse ein. Damit es etwas schneller geht, helfen wir beim Durchlaufen mit einem Kochlöffel nach und pressen die Masse durch das Tuch. Schließlich wringen wir das Tuch mit der Masse darin aus, um den Früchten auch noch den letzten Tropfen zu entringen. Vorsicht! Die Masse ist noch ziemlich heiß.

Der heiße Saft wird dann so schnell wie möglich in die vorbereiteten Flaschen gegossen. Sobald eine voll ist, wird die Flasche mit dem Schnappverschluss, der vorher auch in kochendem Wasser sterilisiert wurde, verschlossen.

Das Ergebnis für uns beide sind jeweils drei gut gefüllte Halbliterflaschen.

Aus Neugierde musste ich den Saft gleich am Abend mit meinem Mann probieren. Wir haben je einen Schuss Holunderbeere 2012 auf Eis aus Pilsgläsern getrunken.
Lecker!!

 (Astrid)


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2 Comments

  1. Jörg wrote:

    Hallo Friederike,

    hab noch keine Zeit gefunden viel zu lesen (Du schreibst mehr als ich in einem Jahr lese :-)), aber das hier mit den Hollerbeeren find ich spannend: Ihr habt ROTE Hollerbeeren gesammelt? Ich dachte man nimmt die schwarzen für den Saft (es gibt nämlich auch roten Holunder, der heißt auch Traubenholunder und ist eher was für Medizinmänner: man schwitzt gscheid davon…). Also ich hoff jetzt mal, daß die Angabe „tief roten Beeren“ nicht gestimmt hat, sonst sparts Euch nämlich die Sauna.

    Aber was anderes: Wie ist bei Euch die Haltbarkeit der Säfte und Sirups? Wir haben beim Saft und Sirup-Machen leider die Erfahrung gemacht, daß das sterilisieren der Flaschen und Verschlüsse nach mehreren Verwendungen nicht mehr so gut geklappt hat. Neuerdings sterilisieren wir mit Einkochautomat und ich hoff die Verluste durch Verderben sind jetzt wieder so verschwindend wie am Anfang, denn jedesmal neue Deckel kaufen ist auch blöd…

    • Friederike wrote:

      Hallo Jörg,
      wir haben natürlich die schwarze Sorte gesammelt, aber manche Früchte waren noch rot, also etwas unreif…
      Ins Schwitzen kommt man trotzdem: gerade etwas erkältet, gibt es bei uns vor dem Schlafengehen immer ein Glas heißen Hollersaft. Ein altes Hausmittel, wie Du sicher weißt, es heizt richtig durch und ist sehr vitaminreich.
      Das mit dem Sterilisieren klappt in der Regel recht gut, aber angebrochene Flaschen sollte man schnell aufbrauchen. Das optimale ist tatsächlich so ein Einkochautomat, wie Ihr ihn benutzt.
      viele Grüße